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Wie in Peking auf der Straße oder: Wo geht`s hier lang?

Ein Interview der Osho Times mit Jivan und Kailash zum Training "Next Leadership"
Peking

Die alten Führungssysteme funktionieren heutzutage nicht mehr. Unser digitalisiertes, globales und schnelllebiges Zeitalter braucht neue Formen der Kommunikation und Zusammenarbeit, um die gegenwärtigen Herausforderungen stemmen zu können. Da geht es besonders auch um die Anpassungsfähigkeit von uns allen, Dinge anders zu machen, als wir es gelernt haben.
Die UTA Akademie bietet mit dem „Next Leadership Training“ eine Ausbildung an, die in Richtung eines ganzheitlichen Lebens und Arbeitens geht. Wir befragten die Gruppenleiter zu ihrer Arbeit. Die Hauptfrage dabei: „Wie kann ich in dieser komplexen Zeit eine Organisation, zu der ja neben Firmenstrukturen auch jedes einzelne Leben gehört, führen, wenn ich selbst den Weg nicht kenne?“ Antwort: Meditation gehört einfach dazu!


Wieso nennt ihr euer Training „Next Leadership“? Wie kommt es, dass sich auch Firmen dafür öffnen?

Organisationen und Firmen haben keine andere Wahl, als ihr bisheriges Führungssystem zu überdenken, da es heutzutage immer weniger funktioniert. Vieles wird immer komplexer, nicht zuletzt weil es globaler und digitalisierter geworden ist und immer schneller wird. Ebenso spielen die Menschen in dem „alten System“ nicht mehr mit, denn sie erkennen, dass es dysfunktional ist. Einige werden krank, kündigen innerlich oder real. 
Dass dies so ist, merken die Firmen ebenso wie die Geschäftsführer und Vorstände. Die Digitalisierung treibt Organisationen zur Veränderung. Zu Beginn ist es wohl eher ein „Müssen“ als ein „Wollen“, was sich aber oft bald ändert. Denn dann erkennen sie, dass es nicht um die Digitalisierung geht, sondern tatsächlich um neue Formen der Zusammenarbeit und Kommunikation. Das stellt das Verständnis von Führung auf den Kopf. Und da sich Organisationen nur ändern, wenn die Menschen sich ändern, beginnt diese Welle diesmal eher in der Firmenwelt; diese spürt den Druck meist deutlicher als einzelne Individuen. 
Wir nennen das Training „Next Leadership“, weil es einfach die nächste Entwicklungsstufe zu dem bisherigen darstellt. Es kommen ganz andere Denkansätze und Prinzipien zum Tragen. Die müssen wir kennenlernen und umsetzen, damit es funktionieren kann. Das heißt nicht, dass das Bisherige komplett verschwindet, aber es kommt etwas Neues hinzu, sozusagen, die Next-Stufe. 


Es ist eine wundervolle Arbeit. Plötzlich sagen Menschen, die vorher mit Meditation nichts am Hut hatten, in dem Training: „Also dem stimme ich ja ganz und gar zu, aber ohne Meditation oder Stille ist das doch alles kaum umsetzbar oder?“ Da kommen auf einmal zwei verschiedene Welten ganz von allein zusammen. Für viele ist das auf der individuellen Ebene ein sehr intensiver Prozess mit sich selbst. Und damit ist dieses Training in der UTA- Akademie optimal verortet. 


Letztendlich steht „Next Leadership“ für die Anpassungsfähigkeit von uns allen, Dinge anders zu machen, als wir es gelernt haben, und zwar sowohl individuell als auch in Gruppen. Du kannst diese beiden Ebenen nicht trennen, mehr denn je fließen sie ineinander. Deswegen muss man sich auch beide Ebenen anschauen, sonst fällt der Wandel schwer.  Spirituell ausgedrückt geht es um die Überwindung der Dualität und die Integration gegensätzlicher Pole. Oder um „Zorba und Buddha“, um „Ying und Yang“, um dich selbst und die Welt. Meditation und Innehalten sind daher sehr wichtige Teile unseres Trainings. 


Was zeichnet in euren Augen einen guten Führungsstil aus? 

Das hängt absolut von der Situation ab und den Leuten ab. So sollte z.B. bei einer komplizierten Reparatur derjenige mit mehr Erfahrung und Wissen die Führung übernehmen, denn er hilft das Problem zu lösen und das ist dann gut für alle. Umso besser, wenn er es freundlich und nicht von oben herab erklärt. Solange es mit einer guten menschlichen Haltung geschieht, ist an der Art und Weise von top-down nichts verkehrt. Hast du aber eine total komplexe Situation, wo die Lösung völlig unbekannt ist, ist es gut neugierig fragend auf Problemsuche zu gehen und unterschiedliche Sichtweisen zu berücksichtigen. Da ist Augenhöhe und nicht Hierarchie sinnvoller, weil es die Lösungsfindung erleichtert. Oder ein drittes Beispiel: Wenn Chaos herrscht, wie nach einem Unglück, ist es gut, wenn die Person entscheidet, die am meisten bei Sinnen ist und die Situation „halten“ kann, und die anderen ihrer Entscheidung dann folgen. Da braucht es Leute, die vorweg gehen und Struktur und hoffentlich eine Verbesserung der Lage durch schnelles Handeln herbeiführen und nicht versuchen über Kommunikation die Lage abzuklären. 
Und wenn man es also zusammenfasst, dann ist ein guter Führungsstil erst einmal eine gute – weil hilfreich auf die Lösung bezogene – innere Haltung und dann eine der Situation angemessene Vorgehensweise. 

 

Wie kann ich in komplexen und unsicheren Zeiten wie heute eine Organisation, ein Team, ein Business etc. leiten, wenn ich selbst den Weg nicht kenne? 

Mit gesundem Menschenverstand und einem klaren Kopf. Erst mal ist es gut zu erkennen, dass ich den Weg nicht kenne. Und dann ist es wie in Peking auf der Straße. Ich habe keine Ahnung, gestehe mir das ein und versuche dann, Menschen zu finden, die kompetent wirken, wenn ich sie um ihre Meinung und Einschätzung frage. Mit einer guten Intuition finde ich da einen Weg. Und so ist es auch im Business. Wenn ich nicht den Big-Mac spiele, sondern mir Experten und erfahrene Leute zu Rate ziehe bzw. mit denen gemeinsam vorgehe, dann kommt etwas Gutes dabei heraus. Und wenn es so unsicher ist, dass auch das nicht wirklich reicht, na dann – spätestens dann, besser vorher – frage ich den Kunden bzw. die Leute, um die es am Ende geht. Sprich, ich hole mir schnell und regelmäßig Feedback ein oder involviere die Kunden bereits in der Entwicklungsphase. Das nennt man „prototyping“ und „fast failing/fast learning“. 


In den Achtzigerjahren war das noch anders möglich. Da hast du etwas gebaut und das verkauft und so Nachfrage erzeugt. Die Kunden hatten da weniger Wahlmöglichkeiten. Heute in Zeiten des Internet ist das anders. Da musst du früher testen, ob das, was du anbietest, dem Kunden gefallen wird. Und auch hier siehst du, dass das hierarchische „I know better“ nicht mehr wirklich sinnvoll ist. Niemand weiß es besser, wenn keiner den Weg kennt.
Führung bewegt sich in vielen Bereichen immer mehr weg von Hierarchie und Top-Down Entscheidungen. Nicht überall natürlich, aber dort, wo es klug vor sich geht, wird Führung integrativer. Aber es ist noch ein weiter Weg bis das Mainstream wird. 

 

Worauf kann ich mich da verlassen?

Am besten auf meine Intuition, mein gutes Menschenbild und die denkbare Tatsache, dass nicht immer Ich die beste Lösung und Idee habe. Will ich diese Haltung nicht einnehmen, dann wird das schwer und auch schmerzvoll mit dem Führen, erst für die anderen, aber bald auch für mich selbst.
Ebenso kann ich auf learning by doing vertrauen. Alles, was funktioniert und deswegen wiederholt wird, wurde irgendwann einmal ausprobiert und als gut befunden. Ich kann mich also darauf verlassen, dass es ohne Probieren und Experimentieren keine Entwicklung geben wird. Und da sich unsere Zeit so schnell wandelt wie noch nie seit Beginn der Menschheit, ist Entwicklung heute mehr denn je ein Muss. Zumindest, wenn ich ein aktiver Teil dieser Gesellschaft sein will. Für Einsiedler ist das vielleicht nicht so wichtig. Aber so war es wohl schon immer. Allerdings musst du dich heute bestimmt auch als Einsiedler in den Bergen immer schneller umstellen, wegen des Klimawandels. Das ist also auch keine Lösung mehr. Selbst das Wegrennen vor der Welt gelingt heute nicht mehr so wie früher (lacht). 


Wie gehe ich mit meinen eigenen Unsicherheiten um? Halte ich sie besser für mich oder kann ich mich damit zeigen?

Es kommt darauf an. Mal unterstützt es eine gute Problemlösung und da ist es angebracht sich zu zeigen und zu fragen und neugierig zu erkunden. Allerdings gibt es natürlich Kontexte, wo das nicht gerne gesehen wird und als Schwäche ausgelegt wird. Da fällt es oft schwer, das dennoch zu machen und ist es auch nicht unbedingt klug. 
Aber meine eigene Erfahrung und auch die vieler Menschen, die ich im Coaching begleite, ist, dass solche Kontexte auf Dauer nicht gesund sind. Zumindest nicht, wenn ich den Anspruch habe etwas Sinnvolles zu tun, womit ich in innerem Einklang bin. Auf Dauer wird das schwer. Das ist vielleicht auch ein Grund, warum so viele Menschen in ihrer Arbeit oder ihrem Leben Stress haben. Selbst im Privaten tun wir uns ja schwer unsere Unsicherheiten zu zeigen. Allerding erlebe ich die letzten 3-5 Jahre ein Umdenken in der Arbeitswelt. Erst mal eher auf der „Lippenbekenntnis“-Ebene, wenn deklariert wird, dass wir eine Fehlerkultur brauchen, die Fehler erlaubt. Doch sieht die Realität im Falle eines Fehlers oft anders aus. Aber dennoch, Unternehmen – und ja, selbst deutsche Unternehmen – entwickeln sich nach und nach in eine Richtung, wo das mehr und mehr „erlaubt“ ist. Das nehme ich Vergleich zu vor 10 Jahren ganz deutlich wahr. 


Wen wollt ihr mit Eurem Training ansprechen? 

Erst mal alle, die das Thema interessiert, egal aus welchem Grund. Und darüber hinaus sind all diejenigen bei uns richtig, die gerne gestalten. In den Arbeitswelten sind das oft Führungskräfte, Projektleiter, Spezialisten, Trainer, Berater, Coaches, Ausbilder, Lehrer usw. und im Privaten sind das Leute, die Verantwortung übernehmen, in Familie, Ehrenämtern, Vereinen, politischen Positionen – immer dann, wenn Menschen irgendetwas gemeinsam unternehmen. Sie können sich mit dem vertrauter machen, was wir „Next Leadership“ nennen. Es enthält viele neue Denkmodelle, aber auch Werkzeuge und Vorgehensweisen, die in einer komplexer und schneller werdenden Zeit hilfreich sind und die bis heute leider an Schulen und auch Universitäten nicht gelehrt werden. 


Ihr arbeitet mit der Theorie U in Trainings. Was verbirgt sich dahinter?

Die Theorie U stellt unsere Vorstellung von der Zukunft auf den Kopf: Statt die Zukunft zu planen bringt uns dieser Prozess an einen inneren Ort, an dem wir wahrnehmen können, was aus der Zukunft in die Gegenwart kommen möchte. So ist es möglich von der Zukunft her zu führen und auf diese Weise die Gegenwart zu verändern. Um das möglich zu machen, verbinden wir uns mit unseren Potenzialen, unseren inneren Quellen. In der Geschwindigkeit und Dynamik des (Führungs-) Alltags ist die Verführung groß, immer nur auf das zu reagieren, was an mich herangetragen wird. Das erleben wir immer wieder in Gesprächen mit Firmen und das kennt ja auch jeder aus seinem privaten Alltag. 
Wenn ich für große Themen und andere Menschen wie Mitarbeiter, Schüler, eigene Kinder verantwortlich bin, kann das schnell zu Ergebnissen führen, die nichts Neues hervorbringen. Hilfreich ist es, einen inneren Platz zu finden, der nicht „in Reaktion“ ist. Das bedeutet, sich mit der eigenen, inneren Quelle zu verbinden, aus der heraus neue Einsichten, Gedanken und Fragestellungen möglich sind. Und diesen „Prozess“ oder diese Haltung kann man lernen und üben. Und genau das machen wir in diesem Training.
 

Das Interview erschien in der Osho Times Ausgabe Januar 2019.

Zur Person

Markus Widera

ist über 20 Jahre als Trainer und Coach in über 50 Ländern mit den Themen Kommunikation, Persönlichkeit, Change und Leadership tätig. Seit ein paar Jahren mit dem Schwerpunkt: „Next Leadership“ & „Reinventing Organisations“ Er leitet Ausbildungen von Coaches, Führungskräften und Therapeuten. Ausgebildet in Gestalt- und Körpertherapie, Aufstellungsarbeit, Coaching, syst. Beratung und Shiatsu. Er ist Dipl. Pädagoge, zertifizierter Management- Trainer, Seniorcoach und Lehrcoach (Deutscher Coachingverband), Psychotherapeut (HPG), vor allem aber Vater, Partner, Freund und Mensch.

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