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Die Hier und Jetzt Therapie

Living the Gestalt 2018
Living the Gestalt

Ein Gespräch mit den Dozenten Rajan Roth und Deva Prem Kreidler-Roth über ihre Ausbildung zum Gestalttherapeuten "Living the Gestalt", die sie in diesem Jahr bereits zum fünften Mal an der UTA-Akademie anbieten.

Rajan Roth erläutert: „Hier und Jetzt Therapie, das war der zweite Name, den Fritz Perls gerne seiner Gestalttherapie gab. In deinem ganzen Leben, so Perls, kann es um nichts anderes gehen als um das Jetzt. Alles was passiert, passiert jetzt. Die Freude, die Enttäuschung, der Triumph und das Versagen. Es passiert nicht gestern und nicht morgen, es passiert immer jetzt. Wenn sich etwas verändert, passiert es immer in diesem Augenblick. Auch der letzte Atemzug passiert in einem einzigen Augenblick. Gerade geht die Luft noch aus und ein, dann kommt der letzte Atemzug und danach füllen sich diese Lungen nie mehr mit Luft.

Während Sigmund Freud sich wie ein Archäologe Schicht für Schicht in die psychische Vergangenheit seiner Klienten hineinarbeitete, um schließlich in der Kindheit den Schlüssel für die heutigen Probleme zu finden, war Perls der Überzeugung, dass der Klient alles was ihn bedrückt nicht in der Vergangenheit suchen muss. Er trägt es vielmehr in jedem Moment bei sich. Alle unerledigten Geschäfte, die ihn heute davon abhalten, ein erfülltes Leben zu führen, liegen ganz dicht unter der Oberfläche. Mit seiner Mimik, Gestik, Körperhaltung, mit seiner Stimmfärbung, selbst mit seiner Gangart stellt der Klient in jedem Augenblick seine Seelenlandschaft aus, so wie Ladengeschäfte ihre Ware im Schaufenster ausstellen.“

„Was bedeutet das für die Arbeitsweise des Psychotherapeuten“, wollen wir wissen. Deva Prem führt weiter aus: „Perls war ein scharfer Beobachter, so konnte er die Aufmerksamkeit seiner Klienten auf kleine körperliche Zeichen lenken und oft in ganz kurzer Zeit Zusammenhänge bewusst machen, die noch vor wenigen Minuten unzugänglich waren. Er benutzte dazu eine Methode, die sich ein bisschen wie ein Trick präsentiert, aber erstaunliche Resultate erzielte: die Identifikation. Er lud Menschen, mit denen er arbeitete dazu ein, Dialoge zu führen, mit dem Kloß im Hals, mit dem Druck auf der Brust oder mit dem Fuß, der gerade jetzt auffällig nervös wippt. Was würde der Fuß sagen, wenn er jetzt sprechen könnte? Und der Fuß sagt dann vielleicht: Nichts wie weg hier. Ich will hier raus. Daraufhin entwickelt der Therapeut die Szene weiter indem er vielleicht fragt: ist das so in deinem Leben: Nichts wie weg? Oder in einem anderen Beispiel sagt der Kloß im Hals: Du darfst es nicht sagen. Daraus ergibt sich unter Umständen, dass hier ein Familiengeheimnis gehütet werden muss, das aber den Klienten schwer bedrückt. Auf diese Weise wird nicht um den heißen Brei geredet. Vielmehr kommt man sehr schnell zum Wesentlichen. Dabei deutete Perls, anders als Freud, niemals die Äußerungen seiner Klienten. Er half ihnen vielmehr dabei, die Signale selbst zu deuten zu verstehen. Er unterstützte immer die Selbstwahrnehmung und förderte grundsätzlich Bewusstheit.“

„Und etwas Derartiges beabsichtigen Sie Ihren Kursteilnehmern zu vermitteln?“

„Ja, sagt Rajan, und wir tun das auf eine heute weitgehend aus der Mode gekommene Weise. Wir nehmen nur bis zu 24 Studenten auf. Dadurch entsteht eine feste Gruppe, die während der gesamten zwei Jahre zusammenbleibt. Das bringt eine hohe Dichte an Erfahrung und ein intensives Erleben und das ist unerlässlich, denn niemand kann einen Klienten in Bereiche der Psyche führen, in denen er selbst noch nicht war. So ist während der ganzen Ausbildung immer das wichtigste Studienobjekt die eigene Psyche.“

Wir erfahren also, so bildet „Living the Gestalt“ Interessierte zu Gestalttherapeuten aus. Am Ende des Trainings werden die Absolventen in der Lage sein, Klienten in Krisensituationen, in Phasen schwieriger Entscheidungen oder eben generell bei dem Prozess der Selbsterkundung zu begleiten. Alle zwei Jahre startet diese Ausbildung. Nächster Beginn: 27. Oktober 2018.

Deva Prem A. Kreidler-Roth

Dipl. Ing., Heilpraktikerin u. a. ausgebildet in Humanistischer Psychotherapie, Rebalancing, Craniosacraler Therapie, Schamanische Reisen, Provokative Therapie, Gesprächstherapie nach Carl Rogers und Gestalttherapie nach Fritz Perls. Seit 1997 leitet sie mit Dr. Rajan Roth weltweit Seminare sowie Ausbildungen in humanistischer Psychotherapie.

Dr. Rajan L. Roth

Kommt aus der Jugendarbeit. Viel Erfahrung mit Gruppendynamik und Encounter. Ausbildungen in klientenzentrierter Gesprächstherapie nach Carl Rogers und Gestalttherapie nach Fritz Perls, seit 1980 Schüler von Osho. Ausbildungen in Rebalancing und CranioSacral Therapie. Seit 1991 Heilpraktiker und Dozent für humanistische Psychotherapie an Heilpraktikerschulen und Instituten in Deutschland.

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