Programm
Traumaheilung durch
Somatic Experiencing
mit Dr. Laurence Heller und Dr. Raja Selvam
„Die ganze Struktur des Traumas, einschließlich Übererregbarkeit, Dissoziation, Einengung und Hilflosigkeit, basiert auf der Evolution der auf Überleben ausgerichteten Verhaltensweisen von Raub- und Beutetieren.
Alle Trauma-Symptome sind das Ergebnis einer äußerst aktivierten, aber unvollständigen biologischen Antwort auf eine Bedrohung, festgefroren in der Zeit. Darf diese eingefrorene Erwiderung nunmehr auftauen, sich zeitlich weiter entwickeln und somit vervollständigen, lässt sich ein Trauma heilen.”
Peter Levine
Somatic Experiencinging© ist ein kraftvolles Instrument zur Prävention und Heilung von Traumata. Die Heilung eines Traumas ist ein natürlicher Prozess, der durch ein inneres Gewahrsein des Körpers initiiert werden kann. Eine jahrelange psychotherapeutische Behandlung, ein wiederholtes Reaktivieren von Erinnerungen oder Tilgung derselben aus dem Unbewussten – all dies ist dabei nicht erforderlich. Durch Nutzung unserer eigenen Ressourcen, durch Erdung und Nachspüren von Körperempfindungen, Gefühlen, Gedanken oder Bildern «verhandeln» wir das Trauma neu.
Der Schlüssel zur Heilung liegt darin, in kleinen Schritten die im Nervensystem gebundene Energie zu lösen und unsere eigene natürliche Fähigkeit zu entfalten, unser Gleichgewicht auch bei weit zurückliegenden extremen Ereignissen wiederzufinden.
Somatic Experiencinging® ist eine psycho-physiologische Methode zur Überwindung von post-traumatischen Störungen und zur Befreiung der darin gebundenen Lebensenergien.
Menschliche Reaktionen auf Bedrohung sind primär instinktiv und biologisch und erst sekundär psychisch und kognitiv. Sie beinhalten drei angeborene Überlebensstrategien: Flucht, Kampf und Todstell-Reflex (Immobilität). Diese drei Reaktionen sind allen Säugetieren gemeinsam.
Was geschieht, wenn wir uns bedroht fühlen?
Wir orientieren uns und versuchen die Gefahr einzuschätzen. Erleben wir eine Situation als bedrohlich, mobilisieren wir all unsere Energien für Flucht oder Kampf. Wenn wir damit erfolgreich sind, findet der Organismus auf natürliche Weise wieder sein Gleichgewicht. Ist ein Ereignis jedoch so überwältigend, dass wir nicht kämpfen oder fliehen können, werden diese Reflexe zwar initiiert, kommen aber nicht zur Ausführung. Als letzte Strategie bleibt uns nur der Todstell-Reflex. Hält diese Immobilität zu lange an, kann sich die enorme «eingefrorene» Energie nicht entladen; die hohe Aktivierung im Nervensystem bleibt bestehen. In der Folge, oft erst nach Jahren, bilden sich Symptome, die schwerwiegend und auch chronisch werden können.
Trauma ist die biologisch unvollständige Antwort des Körpers auf eine als lebensbedrohlich erfahrene Situation.
Die Ursache von Trauma können Ereignisse sein, die fast immer für jeden traumatisierend sind: z.B. Krieg, schwerer Missbrauch, Gewalt, Unfälle, schwere Verletzungen und Krankheiten, Operationen, Verlust eines nahen Menschen, Naturkatastrophen.
Aber auch scheinbar alltägliche, oft unerwartete Ereignisse, können unter bestimmten Umständen traumatisierend sein: Stürze und sog. kleinere Verletzungen, Unfälle, invasive medizinische und zahnmedizinische Behandlungen, Vergiftung u.a. Die Verletzlichkeit ist unter anderem abhängig von den eigenen Ressourcen, körperlicher Konstitution, Familiendynamik, Lebensumständen und Alter. So können für ein kleines Kind schon die Geburt, mangelnde Bindung, allein gelassen werden, plötzliche laute Geräusche, große Hitze oder Kälte und längere Ruhigstellung traumatisierend sein.
Trauma selbst ist keine Krankheit, kann aber Symptome verursachen, z.B.: Übererregbarkeit, Ängste, Panik, existenzielle Hilflosigkeit und Verzweiflung, Depression, Verleugnung, tief greifende Gefühle von Entfremdung, Dissoziation, Überaktivität, Bindungsunfähigkeit, Überempfindlichkeit, Schlaflosigkeit, Erschöpfung, chronische Schmerzen, Fibromyalgie, Migräne, Nacken- und Rückenbeschwerden, Probleme des Immunsystems und des Endokrinums u.v.m.
Trauma kann jede Ebene unseres Lebens beeinträchtigen oder stören – körperlich, seelisch, geistig und sozial. Heilung von Trauma geschieht durch die schrittweise Entladung der immensen Überlebensenergie, die noch in der Immobilitätsreaktion gebunden ist.
Im Somatic Experiencinging® «verhandeln» wir das Trauma neu. Dazu ist es nicht nötig, das traumatische Geschehen nochmals kathartisch zu durchleben. Es ist sogar möglich, ohne Inhalt oder Erinnerung daran zu arbeiten. Dies kann sinnvoll sein, vor allem, wenn das Ereignis emotional noch zu belastend ist.
Wesentliche Elemente im Heilungsprozess sind: Erdung, Zentrierung, Ressourcenbildung und das Nachspüren («Tracking») der Körperempfindungen, Gefühle, Verhaltensweisen, Gedanken, Bilder und Bewegungen. Zunächst werden mit dem Klienten jene Ressourcen entwickelt, die während der ursprünglichen Situation fehlten oder zu schwach waren. Auf dieser gestärkten Basis erfolgt dann die Annäherung an das traumatische Ereignis. Im «Pendeln» zwischen den Ressourcen und der überwältigenden Erfahrung wird die «eingefrorene» Überlebensenergie «aufgetaut». Ein Schlüssel dabei ist die so genannte «Titration»: Die Veränderung soll bewusst in kleinen Schritten erfolgen, damit das System diese auch wirklich integrieren kann. Die unvollständige Überlebensreaktion kommt dadurch zum natürlichen Abschluss und somit auch die Trauma-Symptomatik.
